Der alte Mann und die Lauheit

Rolf Müller

Was würde der Herr Jesus heute über den Zustand der Gemeinde sagen? Vielleicht würde er Offenbarung 3, 14-22 vorlesen. Das ist ein Wort, unter das sich alle stellen müssen. Das geht alle an. Es ist eine allgemeingültige biblische Diagnose des heutigen geistlichen Zustandes vieler Gemeinden. Das betrifft Kirchen und Freikirchen gleichermaßen.

Der alte Mann macht auf den Absender des Sendschreibens aufmerksam. Der stellt sich als wahrhaftiger und treuer Zeuge vor, als Anfang der Schöpfung Gottes. Das sind Tatsachen, keine belanglosen Floskeln. Der Herr Jesus Christus ist die Wahrheit. Er hat den Leuten nie nach dem Mund geredet. Er hat nie falsche Versprechungen gemacht. Er hat immer Klartext geredet.

Wenn Jesus Christus sich als Anfang der Schöpfung Gottes bezeichnet, heißt das, dass wir auf ihn angewiesen sind. Er besitzt die Eigenschaften, die uns fehlen. Er ist treu, zuverlässig, wahrhaftig, allmächtig und souverän.

Der Herr Jesus beschreibt den Zustand der Gemeinde Laodicea mit einem Satz: „Ihr seid ekelhaft lau!“  Was meint der Herr damit? Wir machen alles mit. Wir tanzen auf allen Hochzeiten. Wir werden von allen Seiten anerkannt. Wir lehnen Jesus nicht ab, o nein! Wir folgen ihm aber auch nicht mit ungeteiltem Herzen nach. Wir sind Chamäleons. Wir wechseln dauernd die Farbe. In der Gemeinde geben wir uns fromm, draußen sind wir weltangepasst. Man merkt nicht, dass wir Christen sind. Wir unterscheiden uns kaum von anständigen Ungläubigen.

Der alte Mann weiß, dass laues Wasser durch eine Mischung von heißem und kaltem Wasser entsteht. Unser laues Verhalten ist eine Mischung aus geistlichem und weltlichem Leben. Es ist scheinbar möglich, gleichzeitig weltlich und geistlich zu sein. Die Welt akzeptiert das. Die Gemeinde akzeptiert das auch. Nur Jesus Christus akzeptiert das überhaupt nicht.

Wir bilden uns etwas auf unseren angeblichen Reichtum ein. Wir merken gar nicht, wie arm wir sind. Unsere Selbstzufriedenheit ist nur Fassade. In Jesu Augen sind wir elend, jämmerlich, arm, blind und bloß. Er verabscheut unser gemischtes Christsein und unsere halbherzige Nachfolge. Er möchte, dass wir heiß werden, dass wir brennen für ihn. Was wir brauchen, bietet er uns an: Gold, weiße Kleider und Augensalbe.

Der alte Mann erkennt, dass wir die Richtung ändern müssen. Wir müssen umkehren und Buße tun. Der Herr Jesus klopft an. Das muss man sich mal vorstellen! Eine christliche Gemeinde ist sich selbst genug. Sie hält sich für reich, aber lässt Jesus Christus außen vor. Was für ein Reichtum soll das sein? Wenn Jesus Christus nicht Teil der Gemeinde ist, dann ist das Niveau nicht höher als bei einem örtlichen  Hühnerzuchtverein. Da können durchaus Lieder gesungen und Reden gehalten werden. Was hilft das, wenn Jesus fehlt?

All unser eingebildeter Reichtum ist nur Heu und Stroh. Gold, Silber und Edelsteine kommen allein vom Herrn. Wer dem Herrn vertraut, sagt nicht mehr: „Ich bin reich und satt und brauche nichts.“ Der sagt: „Herr Jesus Christus, ich brauche dich! Nichts hab ich zu bringen, alles, Herr, bist du!“

 

Herr, öffne mir die Herzenstür,
zieh mein Herz durch dein Wort zu dir,
lass mich dein Wort bewahren rein,
lass mich dein Kind und Erbe sein.

Dein Wort bewegt des Herzens Grund,
dein Wort macht Leib und Seel gesund,
dein Wort ist´s, das mein Herz erfreut,
dein Wort gibt Trost und Seligkeit.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn,
dem Heilgen Geist in einem Thron;
der heiligen Dreieinigkeit
sei Lob und Preis in Ewigkeit.

(Johann Olearius).

Mit freundlicher Genehmigung
Autor: Rolf Müller