Der alte Mann und die Gemeinschaft

Rolf Müller

Christen haben den Wunsch, mit anderen Christen Gemeinschaft zu haben. Wer dieses Verlangen nicht hat, ist kein Christ. Dem alten Mann wurde erklärt: „Ich bin zwar Christ, aber ich halte nichts davon, die Gottesdienste zu besuchen. Ich bin ein guter Christ, auch wenn ich da nicht hingehe. Ich bin einfach nicht der Typ dafür. Die meisten Kirchgänger sind Heuchler.“

Wer so denkt, ist kein Christ. Das ist ein Standpunkt, der im Gegensatz zum Neuen Testament steht. Der steht im Widerspruch zu allem, was die ersten Christen praktiziert haben und was alle wahren Christen immer getan haben. Wer nie die Versammlungen der Gemeinde besucht, ist kein Christ. Er zeigt, dass Gottes Leben nicht in ihm ist. Er hat keine Ahnung vom Christentum.

Für Menschen, die Christen geworden sind, ist die Gemeinschaft mit anderen Christen unverzichtbar. Die Christen in Apostelgeschichte 2 waren wiedergeboren. Sie kamen bereitwillig zusammen, nicht widerwillig. Man musste sie nicht zusammentreiben. Sie ließen sich nicht davon abhalten, täglich die Zusammenkünfte der Gemeinde zu besuchen.

Obwohl die ersten Christen ganz unterschiedlichen Gesellschaftsschichten angehörten, bewahrten sie die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens. Sie schätzten sich als Brüder und Schwestern. Sie hatten das gleiche Leben. Sie gehörten der Familie Gottes an.

Christen leben in derselben Welt wie andere Menschen auch. Aber sie haben eine andere Sichtweise. Ihr Blick ist auf etwas gerichtet, das größer ist als diese Welt. Ihre Augen blicken in die gleiche Richtung. Sie freuen sich an Jesus Christus. Das hält sie zusammen.

Christen sind Leute, die eingesehen haben, dass sie nichts sind und nichts haben. Sie leben aus der Gnade Gottes. Sie sind eins in Christus. Sie geben ihm die Ehre und das Lob. Sie bezeugen, dass er sie errettet hat. Sie setzen ihre Hoffnung auf den, der sie durch den Tod hindurch in die Ewigkeit führt. Diese Zuversicht darf jeder Christ haben. Das macht ihr Leben aus.

Der alte Mann fragt sich, wie man sich zufrieden geben kann, wenn man nur einmal im Jahr oder nur hin und wieder die Gemeinde aufsucht. Das neue Leben in Gott verlangt nach Gemeinschaft mit Brüdern und Schwestern. Ohne Gemeinschaft gibt es kein Christentum.

 

Du, unser Haupt, Herr Jesus Christ,
der du stets bei den Deinen bist,
o komm in unsre Mitte!
Belebe uns durch deine Kraft,
die neue Herzen in uns schafft,
erhöre unsre Bitte,
dass wir ganz dir uns ergeben
und dein Leben in uns fließe,
sich auf uns dein Geist ergieße.

Lass uns in wahrer Bruderschaft
durch deines Geistes Lebenskraft
fest zueinander stehen;
in Freude und in Traurigkeit,
im Frieden wie im heißen Streit
stets füreinander flehen;
so wird o Hirt, deine Treue
stets aufs Neue uns beschirmen,
ob Gefahren sich auch türmen.

Der du zur Rechten Gottes thronst
und auch in unserm Herzen wohnst,
dir muss es doch gelingen,
den Satan und sein ganzes Reich
und damit unser Herz zugleich
vollkommen zu bezwingen.
So stärk dein Werk in uns allen,
dass wir wallen deine Wege,
was uns auch begegnen möge.

Wir rühmen deine Liebe laut
als deine auserkorne Braut
im freudigen Vertrauen,
dass sie uns stets verbunden
hält mit dir und allen in der Welt,
die gläubig auf dich schauen.
Ganz eins! Dass keins deiner Glieder
jemals wieder von dir scheide,
das ist deines Herzens Freude.

Du, unser Ein und Alles,
du, o schenk uns jene selge Ruh,
die Ruh an deinem Herzen,
das warm für unser Leben schlägt
und für uns nichts als Liebe hegt
auch in den größten Schmerzen.
Ewig selig sind die Deinen,
will’s auch scheinen, dass ihr Leben
sei dem Tode preisgegeben.

(Hermann Heinrich Grafe).

 

 

Mit freundlicher Genehmigung
Autor: Rolf Müller